Tazacorte

Übersicht 

Tazacorte bietet mit seinen immer warmen Temperaturen und den meisten Sonnenstunden pro Jahr in ganz Spanien perfekte Konditionen für einen Strandurlaub auf La Palma. Aber der Ort hat noch weitere Vorzüge: Ringsherum in Bananenplantagen gebettet, erzählen die alten Gassen im alten Zentrum El Charco Geschichten aus einer Zeit weit vor dem Exportschlager Banane. Sie berichten von einer Zeit, als die Spanier hier die Zuckerindustrie ins Leben riefen und europäische Kaufleute dem Ort Wohlstand und einen Namen bescherten.

Im Gemeindegebiet befinden sich die Vulkane Montaña Todoque und Montaña La Laguna, in denen zahlreiche natürlich entstandene Höhlen auf ihre Entdeckung warten.

Geschichte und Gründung

1492 erreichten die spanischen Eroberer Puerto de Tazacorte, dies war der Ausgangspunkt für die Besetzung der ganzen Insel. Der Ort war gerade wegen seiner sonnigen und fruchtbaren Lage von besonderem Interesse.

Der Häuptling der Ureinwohner, Tazo, fiel im Verteidigungskampf und verlieh dem heutigen Ort seinen Namen. Tazacorte ist eine Kombination aus Tazo und Corte und bedeutet „Der Hof des Tazo“.

Das Umland und die Nutzung der Gewässer wurden nach dem erfolgreichen Angriff unter den Eroberern verteilt, adelige Spanier und flämische Kaufleute errichteten hier Landgüter mit dem Ziel, in die Zuckerindustrie einzusteigen.

Drei Namen spielten in der Zuckerherstellung eine besonders wichtige Rolle: Monteverde, Van Dale und Sotomayor. Diesen drei Familien gehörten sämtliche Länderein und Gewässer. Der Puerto Tazacorte wurde nach dem Hafen der Hauptstadt der wichtigste der Insel, weil von hier aus der Zucker in alle Welt verschifft wurde. Aufgrund des Wohlstands und der attraktiven Waren war der Hafen auch häufig Anziehungspunkt für Piraten.

Der wirtschaftliche Boom nutzte allerdings nur denen etwas, die in der Machthierarchie weit oben angesiedelt waren. Die Arbeiter wohnten fernab der Herrenhäuser in armseligen Behausungen.

Über die Zeit blieb die Zuckerindustrie nicht stabil, weshalb man begann, sich Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bananenanbau ein anderes Standbein zu schaffen.

Bis 1925 war der Ort der Gemeinde Los Llanos untergeordnet, bis die Unabhängigkeitsschlacht auf dem Festland sowie auf der Insel für neue Strukturen sorgte. Tazacorte wurde eine unabhängige Gemeinde.

1928 wurde die Gegend von einer schrecklichen Pestepidemie heimgesucht und während der Franco-Diktatur kam es zu einer erheblichen Emigrationswelle, weshalb die Einwohnerzahl im Ort stark abnahm.

Heute kann man den damaligen Wohlstand, den die Zuckerherstellung mit sich brachte, noch erahnen, wenn man an den gewaltigen Herrenhäusern vorbeispaziert. 

Wirtschaft

Nach der Eroberung der Spanier wurde Zucker zum wichtigsten Exportprodukt. Die Industriefamilien Monteverde, Van Dale und Sotomayor waren maßgeblich am wirtschaftlichen Aufschwung der Ortes beteiligt.

Ende des 19. Jahrhunderts löste die Banane den Zucker in der Rolle des Verkaufsschlagers ab und ist es seit dem geblieben. Etwa 60.000 Tonnen Bananen führt La Palma jährlich aus, davon kommt ein großer Teil aus Tazacorte.

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist heute der Tourismus, der hier aber eher im kleinen Rahmen gehalten wird. 

Kultur und Einwohner

Die Gemeinde Tazacorte hat insgesamt etwa 6000 Einwohner, sie ist die kleinste der 14 Gemeindegebiete La Palmas.

Trotzdem pulsierte vor ein paar Jahrzehnten gerade hier das kulturelle Leben, die Einwohner galten als sehr modebewusst. Deshalb wird der Ort auch heute noch liebevoll „Paris chiquito“, Klein-Paris, genannt.

Die Einheimischen sind traditionsbewusst und legen viel Wert darauf, die lokale Kultur zu erhalten. Deshalb findet man im Ort eine bunte Mischung aus Tradition und Moderne, die natürlich auch viele Annehmlichkeiten für die Touristen bietet.

Ein wichtiger Volkssport des Ortes ist die Lucha Canaria, der kanarische Ringkampf, der hier fast schon als Kunstform gesehen wird. 

Lage und Vegetation

Tazacorte liegt an der Westküste La Palmas und ist deshalb besonders sonnenverwöhnt. Auf dieser Seite liegt ein großer Hafen mit schwarzem Strand. Hier spielt sich fast der ganze Tourismus des Ortes ab, man findet hier die meisten Hotels und Restaurants. Auf der anderen Seite schlängeln sich die Straßen noch weit auf den Berg hinauf, auf dem sich der eigentliche Hauptort befindet.

Umgeben wird dies alles von unzähligen Bananenplantagen, die hier wegen der hohen Sonneneinstrahlung besonders gut wachsen.

Darüber hinaus hat Tazacorte noch ein Gemeindegebiet, das zwar das kleinste der Insel ist, aber immerhin vom Naturschutzgebiet Barranco de Las Angustias bis nach La Bombilla reicht.

Die ganze Gegend wurde weitestgehend durch Vulkane geformt.

Man findet im Gemeindegebiet die beiden Vulkane Montaña Todoque und Montaña La Laguna, welche natürliche Höhlen beherbergen, wie beispielweise die Los Caracoles, die La Cueva de Hércules oder die über einen Kilometer lange La Cueva del Perdido.


Sehenswürdigkeiten  

Das Altstadtviertel von Tazacorte wird El Charco genannt. Hier mischen sich traditionelle kanarische und koloniale Architektur mit modernen Einflüssen. Kleine, enge Gassen führen durch das Zentrum, hier und da trifft man auf alte Herrenhäuser aus den Zeiten des Zuckerbooms im 16. und 17. Jahrhundert aber auch auf die einfachen Wohnungen der Arbeiter. 

Kirche San Miguel

Diese Kirche stammt aus dem Jahre 1513 und ist somit die erste Kirche, die auf der Insel konstruiert wurde. Sie ist dem Erzengel Michael gewidmet, außerdem hat Alonso Fernández de Lugo, der spanische Eroberer der Inseln, hier einen Ehrenplatz, da er der Legende nach von San Miguel zu dieser Mission berufen wurde. Er ist wie im Wappen von La Palma als Verteidiger der Kirche dargestellt, in Soldatenkleidung und mit Schwert.

1922 wurde das Gotteshaus offiziell zur Pfarrkirche ernannt.

Außerdem birgt sie die Reliquien der geheimnisvollen Märtyrer von Tazacorte. Die Geschichte dazu ist ebenso spannend wie grausam:

Im Jahre 1570 unternahm eine Gruppe von Jesuitenmönchen eine Missionsreise von Portugal nach Brasilien. In Tazacorte machten sie halt, da der Pater Acevedo hier einen alten Freund, der zur wohlhabenden Industriellenfamilie Monteverde gehörte, besuchen wollte. Der zeigte sich gastfreundlich und lud die 40 Männer in sein Haus ein.

Im Laufe des Besuches hielt der Pater eine Messe in San Miguel, bei der eine Vision ein nahendes Martyrium ankündigte. Der silberne Kelch, in dem der Pater vor Ergriffenheit Zahnabdrücke hinterließ, und sein Gewand werden dort noch heute aufbewahrt.

Ein paar Tage später machten sich die Mönche wieder auf den Weg gen Brasilien. Allerdings hatten sie Pech, eine Flaute hinderte sie am Fortkommen, sodass sie zwei Tage lang vor der Küste von Fuencaliente lagen. Diese Gelegenheit nutzte der Pirat Jacques de Sores und griff sie wegen der Kirchenschätze an. Die Mönche wurden grausam gefoltert und ermordet, ihre Körper wurden ins Wasser geworfen.

Dort erinnern nun 40 Kreuze auf dem Grund des Meeres an diese Geschichte.

Im modern integrierten Anbau der Kirche findet man große sehenswerte Bilder, die von der Geschichte Tazacortes berichten.

Adresse:
Plaza Simon Guadalupe
38770 Tazacorte

Museo del Plátano

Dieses Museum wurde dem wichtigsten Exportprodukt der Gegend gewidmet. Es erzählt die lange Liebesgeschichte zwischen dem Ort und der Frucht, die ihm so viel Aufschwung gebracht hat: die Banane. Und dank der extrem warmen und sonnigen Lage fühlt sich auch die Banane sehr zu Tazacorte hingezogen.

Vom Balkon des Museums aus hat man einen tollen Blick über die Bananenplantagen, von denen das ganze Museum umgeben ist.

Neuerdings wurde der Ausstellung auch das Museo del Mojo angeschlossen, in dem die Herstellung der Mojo-Soße, die es in den verschiedensten Geschmacksrichtungen gibt, erklärt wird.
Ein Muso del Licor de Café soll bald folgen.

Adresse:
Camino de San Antonio s/n
38770 Tazacorte
Telefon: +34922480151

Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10-13 Uhr und 15-19 Uhr

Simon's Plaza Guadalupe:

Auf diesem Platz befindet sich ein wichtiger Treffpunkt der Stadt, an dem sich die Einheimischen an den vielen Brunnen niederlassen, um ein Schwätzchen zu halten.

Einen dieser Brunnen ziert ein Denkmal des Doctor Morales Pérez, der durch sein medizinisches Schaffen zu einem Wahrzeichen der Stadt wurde.

Hinter der Kirche San Miguel führen kleine Gassen mit alten kanarischen Häusern zu noch mehr Brunnen und blumengeschmückten Plätzen. 

Casa Dalle Massieu Van Monteverde y Ponte

Dieses Haus gehörte der Familie van Massieu, einer der Besitzer der früheren Zuckerfabriken. Nicholas van Massieu hat es im 17. Jahrhundert mit seiner Frau Angela, die aus der Zuckerdynastie der Familie Monteverde stammte, gebaut.

Ein Highlight ist das in Marmor geschnitzte Familienwappen. Außerdem gibt es einen schönen rechteckigen Hof und einen von Pfosten gestützten Balkon.

Heute werden hier häufig Kunstausstellungen veranstaltet.

Adresse:
Calle Miguel Unamuno
38770 Tazacorte

Casa Monteverde

Direkt am Meer liegt dieses Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert, das damals als Residenz für die Industriellenfamilie de Monteverde gebaut wurde. Es trägt den Zweitnamen „Haus der Märtyrer Tazacorte“, weil hier im Jahre 1570 Jesuitenmönche auf der Durchreise zu Gast waren, die dann später auf dem Meer vom Piraten Jacques de Sores ermordet wurden.

Seiner Struktur und den Schmuckelementen zufolge gehört das dreistöckige Haus wohl zu den ältesten auf der ganzen Insel. Im Erdgeschoss befand sich lange eine staatliche Schule.

Adresse:
Calle Miguel Unamuno
38770 Tazacorte 

Casa Diaz Pimienta

Die Casa Diaz Pimienta ist das Geburtshaus des Admiral D. Francisco Diaz Pimienta, der eine glänzende Karriere bei der Marine absolvierte. Außerdem war er einer derjenigen, die den hiesigen Bananenanbau in Gang setzten.

Der Haupteingang befindet sich auf der Rückseite, während auf der Vorderseite ein großer Balkon hervorragt. Das Haus ist in verschiedene Wohneinheiten verschachtelt, die zum Teil über eine überdachte Außentreppe zu erreichen sind. Die alten Öfen und Kamine sind teilweise noch erhalten.

Adresse:
Calle Miguel Unamuno
38770 Tazacorte 

Hafen

Der Hafen ist das Herz des Ortes, während der Zeit der Zuckerproduktion in Tazacorte war er nach dem der Hauptstadt sogar der wichtigste der Insel.

Mehre Statuen von bekannten Marinesoldaten stehen hier, wie beispielsweise diejenige von José Fernández Romero, der 1641 die Insel Santa Catalina eroberte.

Rund um den Hafen spielt sich das touristische Leben der Stadt ab, es befinden sich hier zahlreiche Hotels und Restaurants.


Aktivitäten 

Exkursionen und Wandern

In und um Tazacorte kann man die schönsten Wanderungen unternehmen. Entweder man startet auf eigene Faust eine Tour in Richtung des nahegelegenen Senkkraters – in diesem Falle bietet es sich an, Auto oder Motorrad zu leihen oder die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Oder man schließt sich einer der zahlreichen geführten Wanderungen an, die von der Gemeinde angeboten werden. Es sind thematische Routen zu verschiedenen geschichtlichen Ereignissen und mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.


Strände 

Puerto de Tazacorte

Der Strand von Tazacorte befindet sich im Hafenbereich. Er ist ungefähr 500 Meter lang und hat feinen schwarzen Vulkansand.

Da sich der Ort auf der Westseite La Palmas befindet, ist der Strand unmittelbar der Kraft des Atlantiks ausgeliefert. Oftmals wird die rote Flagge gehisst, das bedeutet Badeverbot.

Verantwortlich dafür ist das Zusammenspiel aus dem steil abfallenden Strand, der starken Unterströmung und der oft spontan sehr hoch springenden Wellen.

Auf der einen Seite ist er allerdings durch eine Mole geschützt, sodass die Brandung sanfter ausfällt und auch Kinder hier schwimmen können.


Feste  

Fiesta de Nostra Señora del Carmen

Dieses Fest wird immer am 16. Juli zu Ehren der Virgen del Carmen gefeiert. Traditionell findet eine Prozession der Seeleute statt.

Fiesta de San Miguel

Der Erzengel Michael ist der Schutzheilige der Stadt und des Hafens von Tazacorte. Am 29. September ist ihm ein Fest gewidmet, dessen Höhepunkt der Tanz der „Caballos Fufos“, der fauchenden Pferde, ist. Bei diesem Umzug tanzen keine echten Pferde durch die Straßen, sondern Menschen, die mit farbigem Papier verkleidete Rohrgestelle mit sich tragen, die wie Pferdeköpfe aussehen. Der Zug wird von einer Giraffe angeführt.

Außerdem wird eine Prozession mit dem Heiligenbild des Erzengels veranstaltet, begleitet von einem Feuerwerk.


Restaurant 

In Tazacorte gibt es viele gute Restaurants, in denen man vor allem kanarische Küche genießen kann. Einige Dinge sollte man unbedingt probieren: Zum einen die für La Palma typischen grünen Bananen, die mit salzigem Fisch und grünem Mojo oder Käse serviert werden, zum anderen die kanarischen Kartoffeln, die klein und runzelig sind und mit Schale serviert und gegessen werden.

Wer auch ein traditionelles Getränk probieren möchte, kann Kaffeelikör bestellen oder eine Mistela, ein Likör aus Orangenschalen, Zitrone und verschiedenen Gewürzen.

Die meisten Restaurants befinden sich in den Straßen um den Hafen.


Einkaufen

Dinge des täglichen Bedarfs sind hier ohne Probleme zu erhalten. Unter anderem gibt es im Ort drei Supermärkte.