Barlovento

Übersicht 

Barlovento – klingt wie eine Tanzart, Weinsorte oder Baumgattung. Die Baumgattung würde es wohl am ehesten treffen, da Barlovento ein kleines, sehr grünes Örtchen im Norden La Palmas ist. Das Wort Tourismus ist hier noch nicht auf die Ortsfahne geschrieben worden, aber als Erholungsort könnte man es durchaus betiteln. Der riesige Stausee Laguna de Barlovento hat rundum Zeltplätze, die zwischen Palmen und Kakteen liegen.

Geschichte und Gründung

Bevor es von den Spaniern im 15. Jahrhundert erobert wurde, hieß Barlovento "Tagaragre". Die vom damals ansässigen Volk betriebene Viehzucht wurde von der Landwirtschaft abgelöst. Im Laufe der Jahrhunderte wurden so nacheinander Zucker, Weinreben und Getreide angebaut. Bis 1678 war Barlovento trotzdem von den Gutsherren in San Andrés y Sauces abhängig. Schließlich gelang  es ihnen, die Unabhängigkeit zu erlangen. Das Dorf entstand trotz der hohen und windigen, aber dafür fruchtbaren Lage an einer Kreuzung, an der anfangs nur einige wenige Häuser zu finden waren. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerzahl von 1980 auf 3200 an. Man errichtete schließlich eine einschiffige Kirche, die der Nuestra Señora del Rosario gewidmet wurde.

Wirtschaft

Durch die hohe Lage bringen die Passatwolken den größten Teil des Jahres regelmäßig Regen. Die Bewohner nutzen die grünen Flächen zur Viehzucht und zum Ackerbau. Bananen-, Kartoffel-, Avocado- und Zitrusfruchtplantagen bilden die Grundlage für die lokale Wirtschaft. Der Fremdenverkehr nimmt zwar zu, stellt aber bisher einen eher geringen Wirtschaftsfaktor dar. So können Urlauber in aller Ruhe die einzigartige Umgebung mit immergrünen Wäldern erkunden. Am Stausee etwa kreuzen sich zahlreiche, gut ausgeschilderte Wanderwege.

Kultur und Einwohner

Die Menschen in Barlovento mussten Außergewöhnliches leisten, um das steile Gelände bewohnbar zu machen. Auch frei zugängliches Wasser gab es nicht. Das relativ trockene Land musste aber bewässert werden. Einige Bewohner sahen sich aufgrund dessen gezwungen, nach Kuba oder Venezuela auszuwandern. Die immense Emigration führte zu einem Rückgang der Bevölkerungszahlen. Die zurückgebliebenen Inselbewohner investierten ihr Vermögen jedoch für den Ankauf von Ländereien, die bis dato in den Händen von Großgrundbesitzern waren. Es wurden langsam Straßen eröffnet und Bewässerungssysteme gebaut, wodurch der Isolierung ein Ende gesetzt wurde. Barlovento hat heute 712 Einwohner. Seit den 50er Jahren ist ein deutlicher Bevölkerungsrückgang um 25 Prozent zu verzeichnen.

Lage und Vegetation

Barlovento ist eine der 14 Gemeinden auf La Palma und liegt an der Nordküste. Die Grenzen Barloventos bilden die Schluchten Barranco La Herradura im Süden bei San Andrés y Sauces und die Barranco de Franceses im Norden bei Garafía. Wegen einer Höhenlage von 550 Metern ist sie regenreichen Passatwinden ausgesetzt, was dem Dorf und seiner Umgebung eine wunderschöne Vegetation und gute Voraussetzungen für Landwirtschaft beschert. Das Örtchen ist umgeben von Bananenplantagen, Lorbeerwäldern und vielen Drachenbäumen im nah gelegenen Las Toscas. Hier wachsen die meisten Drachenbäume der Insel - der El Drago ist aufgrund seines Alters und seiner Mythologie einer der außergewöhnlichsten Bäume auf den Kanaren.

Vom Aussichtspunkt Las Toscas führt Sie ein interessanter Weg zwischen diesen Bäumen hindurch zum Gemeindeteil Gallegos. Wegen des herrlichen Ausblicks auf die Schluchten und die Küste ist diese Umgebung bei Wanderern sehr beliebt, die leichte bis mittlere Schwierigkeitsgrade bevorzugen.


Sehenswürdigkeiten 

Mirador de La Tosca

Von diesem Aussichtspunkt aus hat man einen atemberaubenden Blick über die gesamte Nordküste der Insel. Eine zweistündige Wandertour von La Tosca bis Los Gallegos auf durchschnittlich 400 Höhenmetern ist auch für Anfänger bestens geeignet.

Man entdeckt dabei große, in Gruppen zusammenstehende, Drachenbaumfamilien. Auch das kleine Dorf Los Gallegos, das sich einige Bergrücken weiter befindet, kann man von dort aus sehen. Man steigt auf Steinstufen in die Schlucht des Barranco de Topaciegas hinunter. Eine reizvolle exotische Flora mit Opuntien, Agaven, Euphorbien, Margariten, Johanniskraut und riesigen Zinerarien säumt den Steinpfad. Die großen Felsen eignen sich hervorragend für ein Picknick inmitten der Natur. Nach einem zwanzigminütigen, schweißtreibenden Aufstieg erreicht man die ersten Häuser von Los Gallegos. Die kleine Bar Gallegos lädt dort mit erfrischenden Getränken zum Ausruhen und Kraft tanken ein. Von dort kann man mit dem Taxi dann zum Ausgangspunkt zurückfahren.

Anfahrt: Auf der LP-1 von Barlovento nach Garafia/Santo Domingo. Nach etwa 1,5 Kilometern befindet sich rechts der Aussichtpunkt Las Toscas.

Buslinie L2 von Santa Cruz Richtung Barlovento/Garafia

Wochen- und samstags im Stundentakt, sonntags alle zwei Stunden. Haltestelle: La Tosca.

Punta Cumplida

Der Leuchtturm Punta Cumplida wurde 1867 erbaut. Er ist der älteste der vier Leuchttürme auf La Palma, die in alle Himmelsrichtungen deuten. Im Laufe der Jahre sind viele Anekdoten erzählt worden: So wird etwa erzählt, dass der alte Leuchtturm Zeuge der Gegenwart deutscher U-Boote während des Zweiten Weltkriegs gewesen sei. Bei stürmischem Wetter weist er nach wie vor Seefahrern den Weg.

Virgin del Rosario

Die Wegkreuzung, an der das Dorf entstand, diente als Treffpunkt vieler Bauern; unter anderem für Handelsabkommen. Hier entstand der Ortskern, aus dem sich die Kirche El Rosario abhebt. Sie besteht aus einem einzigen Schiff. Ihr Bau begann im Jahr 1581 und wurde im 17. Jahrhundert erweitert. Innen schlummern Schätze wie das flämische Bildnis der Jungfrau von El Rosario, Kunstwerke wie das mexikanische Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert, die barocke Schnitzerei der Jungfrau von El Carmen und ein Taufbecken aus glasierter Keramik. Die Glocken, die von einer kubanischen Zuckerfabrik stammen, erklingen auch heute noch.


Museen 

Las Mimbreras

Las Mimbreras bedeutet auf deutsch „Korbweiden” und ist der Name für eine Quelle zwischen Garafia und Barlovento. Das reine Wasser fließt durch höher gelegene Loobeerwälder und Korbweiden, die von Moos bedeckt sind.

Las Mimbreras ist ein Museum, das dem Kunsthandwerk des Korbflechtens gewidmet ist. Es befindet sich in der Nähe der Laguna de Barlovento. Mit viel Geschick werden aus Weiden, Drachenbaumblättern und Stroh unterschiedlichste Arten von Körben zusammengezwirbelt - von kleinen bis hin zu großen, soliden Körben für den Transport von Mist.

Holzgegenstände sowie  Malereien nach venezolanischer Tradition sind in dem Zentrum für Kunsthandwerk von Las Mimbreras ausgestellt und können dort auch erworben werden.


Strände 

Laguna de Barlovento

Der künstlich angelegte See Laguna de Barlovento liegt in einem Naturschutzgebiet. Der anfangs natürliche See wurde im Laufe der Zeit zu einem mit fünf Millionen kubikmeter Wasser gefüllten Stausee umfunktioniert, der einer idyllischen Lagune gleicht. Er ist einer der größten Seen der Kanaren und bietet herrliche Möglichkeiten zum Campen und Baden. Man findet hier Grillplätze, Liegewiesen, Spielplätze und ein Restaurant. 

Naturschwimmbecken Piscinas La Fajana

Die natürliche Bucht aus Lavagestein wurde mit Hilfe von Beton gegen die Brandung geschützt. La Fajana besteht aus mehreren Becken mit Liegeflächen. 1994 wurde die Anlage mit Toiletten, Umkleidekabinen und Sonnenschirmen fertiggestellt.

Eine schmale Straße führt circa sechs Kilometer nördlich von Los Sauces in einigen Kurven hinunter nach La Fajana.


Einkaufen

Eine besondere regionale Spezialität ist der Gofio. Der sehr nahrhafte, geröstete Mais ist das älteste überlieferte Nahrungsmittel der Kanarischen Inseln. Zudem findet man dort Wein aus dem Gebiet Las Tocas und die Süßwarenspezialitäten Anatolia und La Montaña.