Natur in La Gomera

La Gomera ist die zweitkleinste Insel der Kanaren, trotzdem hat sie gleich mehrere Vegetationszonen und bietet ihren Besuchern eine ganz besondere Tier- und Pflanzenwelt. Durch die geographische Abschottung der Kanarischen Inseln gibt es dort oft Lebewesen, die nirgendwo sonst auf der Erde existieren. Der Passatwind sorgt auf der Insel dafür, dass sich die Wolken an den Bergwänden im Norden ausregnen. Der Süden ist daher trockener.

Im Norden findet man in den höheren Regionen Lorbeerwälder und immergrüne Farne, die baumhoch werden können. Ab einer Höhe von 1000 Metern werden diese durch Heidemischwälder aus Gagelstrauch und Baumheide abgewechselt.

Im trockenen Süden findet man eher sukkulente Pflanzen. Diese haben besondere Mechanismen entwickelt, um Wasser in ihren Blättern und Stielen zu speichern. Dazu zählt auch die Feigenkaktee, die eigentlich von Südamerika stammt, und die Kanarische Wolfsmilch. Auch Sträucher von Phönizischem Wachholder und Kanarenpalmen haben sich an die Lebensbedingungen dort angepasst. An der Küste findet man oft Strandflieder, der seine kleinen violetten Blüten in den Himmel reckt.

Im Zentrum der Insel liegt der Nationalpark Garajonay. Mit 3.984 Hektar Fläche bedeckt er zehn Prozent der Insel. Im Laufe der Jahre wurde der 1981 gegründete Park schon mehrfach ausgezeichnet: Er ist Europäisches Vogelschutzgebiet und steht als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Fast die gesamte Parkfläche ist von kanarischem Urwald bedeckt, in dem lange Bartflechten von moosbewachsenen, knorrigen Ästen hängen.

Tierarten gibt es auf der durch den Atlantik begrenzten Insel nicht sehr viele. Die einzigen Säugetiere, die ohne Zutun des Menschen auf die Insel gekommen sind Fledermäuse. Davon leben auf La Gomera vier Arten. Vogelarten gibt es etwa 40 - darunter auch auch die Silberhalstaube und die Lorbeerwaldtaube, die ausschließlich auf La Gomera vorkommen. Auch zwei Fischadlerpärchen haben sich auf der Insel angesiedelt. Wirklich artenreich sind auf La Gomera vor allem Insekten.

Ein besonderes Reptil ist die Gomera-Rieseneidechse. Sie galt lange als ausgestorben, wurde im Jahr 1999 von Biologen der Universität Teneriffa aber auf La Gomera wiederentdeckt. Die imposanten Tiere können bis zu 50 Jahre alt werden und wachsen bis ins hohe Alter. Dabei können sie eine Größe von 1,50 Metern erreichen. Urlauber begegnen den Gomera-Rieseneidechsen aber selten: Wilde Katzen haben den Bestand der Eidechsen stark reduziert; die Echsen haben sich deshalb in felsige Gebiete zurückgezogen, wo ihre Feinde nicht hin gelangen können. Dort sind sie aber einem geringen Nahrungsangebot und oft Steinschlägen ausgesetzt. Am Playa Inglés gelang es eine Population von 60 Tieren nachzuzüchten und auszuwildern. Vielleicht lässt sich der Bestand in den nächsten Jahren vergrößern.

An der Küste gibt es viele Anbieter für das sogenannte Whale Watching. Dabei fährt man mit einem Boot auf das offene Meer und kann wildlebende Pilotwale beobachten. Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo man so viele Wale auf engem Raum findet wie in der Meerenge zwischen La Gomera und Teneriffa.