Artenara

Übersicht 

Mit einer Höhenlage von 1.270 Metern ist die Gemeinde Artenara die höchstgelegene Gran Canarias. Zugleich ist sie die am wenigsten bevölkerte Ortschaft der Insel mit nur 1.300 Einwohnern auf einer Fläche von 66 Quadratkilometern. Das kleine Dorf, das sich an den Berghang des Caldera de Tejedaklammert, ist ein beliebtes Ziel für Geschichtsbegeisterte und Naturfreunde. Hier gibt es prähistorische Höhlen, endlose Kiefernwälder und beeindruckende Gebirgsmassive zu bestaunen. Umgeben von den zwei höchsten Punkten der Insel, dem Pico de las Nieves (zu deutsch: Schneespitze) und dem Roque Nublo (zu deutsch: wolkiger Felsen), befindet sich Artenara südwestlich von Las Palmas und nördlich von Puerto Rico.

Wirtschaft

Die Bewohner von Altenara sind meist Bauern oder Waldarbeiter, denn die Landwirtschaft ist schon lange eine Existenzgrundlage der Gemeinde. Es wurde vor allem Viehwirtschaft betrieben und Getreide angebaut und das so erfolgreich, dass im 18. Jahrhundert überschüssige Ware nach Teneriffa exportiert werden konnte. Auch die Holzwirtschaft war sehr effektiv, wurde jedoch so intensiv betrieben, dass ein Rohdungsverbot ausgesprochen werden musste. Dadurch ist heute der wichtigste Zweig die Landwirtschaft der Getreide-, Kartoffel- und Maisanbau, aber auch einige Obstbaumplantagen sind hier zu finden.

Lage und Vegetation

Artenara liegt als höchste Gemeinde Gran Canarias auf einer Höhe von 1270 Metern über dem Meeresspiegel. Der Ort befindet sich südwestlich von Las Palmas und nördlich von Puerto Rico. Das kleine Bergdorf ist umgeben vom höchsten Berggebiet der Insel, somit gehören sowohl der höchste Berg Pico de las Nieves mit 1.949 Metern, als auch der zweithöchste Gipfel Roque Nublo mit 1.813 Metern zu Artenara. Der Pico de las Nieves befindet sich auf der Spitze eines erloschenen Vulkans und, wie der Name es verrät, liegt hier in manchen Jahren für wenige Tage Schnee. Das eigentliche Dorf Artenara liegt am nördlichen Rand der Caldera de Tejeda, direkt am Berghang. Während im Tal noch eine üppige Vegetation mit Bananen- und Avocadoplantagen dominiert, ist die Flora in Artenara selbst eher spärlich. Dennoch ist die Gemeinde Artenara ein Teil des Naturparks von Tamadaba und präsentiert sich hier mit einem ausgedehnten Gebirgswald. Es lohnt sich, einen längeren Spaziergang zu wagen und sich von dem acht Quadratkilometer großen Kiefernwald beeindrucken zu lassen.

Von Las Palmas gelangt man mit dem Bus 220 direkt nach Artenara. Mit dem eigenen Auto folgt man von Las Palmas zunächst der GC 15 und dann der GC 811.

Geschichte und Gründung

Das Gebiet rund um Artenara gilt als eines der ältesten auf der Insel. Wie archäologische Funde bestätigen, lebten hier die Ureinwohner unter steinzeitlichen Bedingungen: Sie ernährten sich von Feldernten und kleideten sich in Felle. Noch heute können die Wohnhöhlen der damaligen Bewohner besichtigt werden. Die in den Höhlen enthaltenen Malereien und Gravuren geben Aufschluss über das damalige Leben und bieten so eine einzigartige Reise in die Vergangenheit.

Zur Zeit der Altkanaren, den Guanchen, galt Artenara als einer der wichtigsten Orte des nördlichen Königreiches von Agaldar. Nach der spanischen Eroberung der Insel gehörte das Gebiet zu Galdar und wurde erst im 19. Jahrhundert zu einer unabhängigen Gemeinde.


Sehenswürdigkeiten 

Nicht nur für Archäologieliebhaber ist das Gebiet rund um Artenara, das das älteste geologische Material der Insel besitzt, ein ganz besonderes Ausflugsziel. Hier schließen sich viele Häuser direkt an die großen Wohnhöhlen der Ureinwohner an. So entstand eine Siedlung mit Wohnräumen, die gleichzeitig Höhle und Haus sind. Die Höhlen bestehen seit prähistorischen Zeiten und werden noch heute von einigen als Lebensraum genutzt. Von außen erscheinen die Hausfassaden, in unterschiedlichsten Farben bemalt und mit kleinen Gärten verziert, als ganz alltägliche Wohnhäuser. Innen gehen sie in die alten Höhlen über und schützen im Sommer vor der Hitze, während im Winter die Kälte abgehalten werden kann. Mittlerweile müssen die Bewohner auf alltäglichen Luxus jedoch nicht mehr verzichten, da sie mit fließend Wasser, Strom und modernem Mobiliar ausgestattet sind.

Virgen de la Cuevita

Die Kirche der Höhlenjungfrau ist eine kleine Steinkapelle mitten in einem Felsen. Die zu Ehren der Jungfrau erbaute Felsenkirche beinhaltet alles, was auch in anderen Kirchen zu finden ist, doch ist hier alles vom Altar über die Kanzel bis hin zum Chorraum in den natürlichen Stein gehauen worden. In der Kapelle befinden sich lediglich eine Statue der Patronin und ein einziges Bild. Die Virgen de la Cuevita wird als Schutzpatronin der Radfahrer und der kanarischen Folkloregruppen verehrt.

Adresse: Calle Camino de la Cuevita
Von der Pfarrkirche San Matias Apóstol führt ein etwa ein Kilometer langer, schmaler Weg entlang der Felsen zu Höhlenkirche.

San Matias Apóstol

Im 19. Jahrhundert wurde eine Kirche, die ursprünglich aus dem Jahr 1630 stammt, neu aufgebaut und zur heutigen Pfarrkirche San Matias Apóstol. Sie besteht aus drei Schiffen und zwei kleinen Türmen, welche aus dem roten Stein des Tamadabagebirges gebaut wurden. Verziert und ausgestattet ist das Gotteshaus mit bunten Wandgemälden und einem Holzaltar des Künstlers José Arencibia Gil. Die Kirche befindet sich im Ortszentrum und ist bei einem Spaziergang durch die kleine Ortschaft nicht zu verfehlen.

Acusa

Ein paar Kilometer vom Dorf Artenara entfernt ist das Acusa- Gebiet. Dies ist eine der größten Fundstätten der Insel. Zu sehen gibt es hier sowohl steinzeitliche Wohnhöhlen mit Wandmalereien als auch große Grabstätten, die ebenfalls in den Fels gebaut wurden. Am besten erreicht man diesen Komplex mit dem Auto über die GC 210. Dabei ist Vorsicht geboten, da die enge Straße von beiden Seiten befahren wird und oft nicht sehr weit einsichtig ist.

Lugarejo

In diesem Bereich befindet sich ein großes Zentrum für Handwerks- und Keramikkunst. Es gibt noch viele Handwerker, die aktiv ihre Künste ausüben. Dazu kann man die Werkstätten besuchen, die Arbeit hautnah verfolgen und die Kunstwerke natürlich auch kaufen. Im Zentrum ist es sogar möglich, die Keramikarbeit nach alter Tradition kennenzulernen: Hier wird noch oft nach den Verfahren der Ureinwohner gearbeitet, so wird zum Beispiel ohne Töpferscheibe getöpfert. Abgesehen davon werden auch kanarische Stick- und Webarbeiten präsentiert und verkauft.

Lugarejo ist etwa acht Kilometer von Artenara entfernt und mit dem Auto über die GC 215 in etwa zehn Minuten gut zu erreichen.


Strände 

Da sich Artenara im Innern der Insel befindet und nur einen kleinen Küstenstreifen im Westen besitzt, ist das Baden am Strand nur bedingt möglich. Es gibt nur einen Strand, der zu Artenara gehört, welcher Punta Gongora oder auch Punta de las Arenas genannt wird. Er ist nur wenigen bekannt. Eine Autozufahrt gibt es hier nicht, das bedeutet, Sie können den Strand nur zu Fuß zu erreichen. Der Strand besteht aus schwarzem Vulkansand und da es hier meist sehr windig ist, gibt es auch einen starken Wellengang. Diejenigen, die sich hier entspannen und baden, genießen die Abgeschiedenheit und leben gern die FKK- Kultur aus.


Feste

Am vorletzten Sonntag im August findet in Artenara ein großes Fest zu Ehren der Heiligen Virgen de la Cuevita statt. Zu diesem Anlass wird das Bildnis der Heiligen in einer Prozession aus der Felsenkirche in die Pfarrkirche gebracht. Genau eine Woche später, also am letzten Sonntag im August, wiederholt sich dieser Festumzug. Nun wird das Bild, begleitet von Feuerwerk und Fackeln, zurück in die Felsenkirche gebracht.