Gran Tarajal

Übersicht

Gran Tarajal ist im Bezug auf die Einwohnerzahl die drittgrößte Stadt Fuerteventura und die größte in der Gemeinde Tuineje. Sie liegt an der Ostküste der Kanareninsel Fuerteventura – zwischen den Landspitzen Morro de Gran Tarajal im Osten und Punta del Aceituno im Westen. Der Name Gran Tarajal bedeutet auf Spanisch große Tamariske, was auf die vielen Palmen und Tamarisken in der Stadt zurückzuführen ist. Gran Tarajal ist vor allem bekannt durch den Hafen, der früher als „der Tomatenhafen“ in die Geschichte des Ortes eingegangen ist. Von hier aus wurden Tomaten und anderes Gemüse aus der näheren Umgebung auf die restliche Insel verteilt. Trotz ihrer Größe, der zahlreichen Einrichtungen des täglichen Lebens und des großen Strandes, ist die Stadt Gran Tarajal alles andere als ein Touristenort. Wenn man auf Fuerteventura also kanarisches Flair fernab von Touristenhochburgen erleben möchte, ist man hier genau richtig.

Geschichte

Die Bucht zwischen Morro de Gran Tarajal und Punta del Aceituna fungierte früher hauptsächlich als Ankerplatz für die Stadt Tuineje, die etwa 12 Kilometer weiter im Landesinneren liegt.

Aufgrund der exponierten Lage der Bucht blieb der Ort allerdings auch nicht von Piratenangriffen verschont.

Die Schlacht von Tamacite im Jahre 1740 hat dabei die Gegend besonders geprägt. Hierbei rückten britische Expeditionskorps gewaltsam plündernd über Gran Tarajal bis nach Tuineje vor. Der Bürgermeister Tuinejes konnte gerade noch rechtzeitig die Einwohner seiner Stadt warnen. So zogen einige bewaffnete Bauern mit ein paar Dromedaren als Schutzschild in die Schlacht. Sie kämpften und schafften es sogar, die zahlenmäßig deutlich überlegenen Briten an der Montaña de Tamacite zu schlagen und sie aus dem Gebiet zu vertreiben.

Dennoch dauerte es noch weitere 120 Jahre bis die ersten Menschen die Bucht von Gran Tarajal besiedelten.

Die Entwicklung der Stadt wurde lange Zeit durch Dürreperioden gebremst. Dies war auch der Grund warum viele Einwohner auswanderten - unter ihnen auch Matías López. Diesen zog es nach Kuba, wo er sich zu einem erfolgreichen Geschäftsmann entwickelte. 25 Jahre später kehrte er zurück nach Fuerteventura und investierte sein in Kuba verdientes Geld in den Aufschwung Gran Tarrajals. So ließ er zum Beispiel die Kirche La Iglesia de Nuestra Señora de Candelaria errichten.

Die Stadt bedankte sich bei Matías López, indem sie ihm öffentlichen Grund zur Verfügung stellte, auf dem Lagerhäuser errichtet werden sollten.

Wirtschaft

Matías López nutze sein Kapital und das Vertrauen, das ihm von den Einwohnern der Stadt entgegen gebracht wurde, und begann damit, Wasserpumpen aus Chicago zu importieren. Diese wurden durch Windräder aus Metall betrieben und sollten Tiefbrunnenbohrungen ermöglichen, die den labilen Grundwasserstand erhöhen und stabilisieren sollten.

Außerdem begann man Luzerne als Viehfutter und Gründünger anzubauen und über den Hafen nach Gran Canaria zu verschiffen.

Somit wurden die Grundvoraussetzungen für den Handel mit Tomaten geschaffen. 1928 stieg Matías López gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern in das Geschäft ein.

Zwischen Tiscamanita und Antigua im Inneren der Insel entstanden die ersten großen Anbauflächen.

Da es zu dieser Zeit noch keine ausreichend ausgebauten Straßen und Lastwagen gab, war der Seeweg einer der wenigen Wege und somit auch der wichtigste. So erhielt die Insel Tomaten und anderes Gemüse aus Gran Tarajal und der Hafen blieb als “Tomatenhafen” im Gedächtnis der Einwohner.

Selbst der Hafen von Morro Jable auf der Halbinsel Jandía wurde aus Gran Tarajal beliefert.

Noch heute werden die Tomaten aus dem Süden Fuerteventura nach Gran Tarajal geliefert, um hier verpackt zu werden. Allerdings werden sie danach weiter zum Hafen der Hauptstadt Puerto del Rosario transportiert und hier eingeschifft.

Inzwischen werden nicht nur die kanarischen Inseln und das spanische Festland, sondern auch alle EU Staaten mit Tomaten aus Fuerteventura beliefert.

Die Einwohner der Insel erhalten die landwirtschaftlichen Produkte schon seit langer Zeit über den Landweg.

Auch die Fischerei in Gran Tarajal wird heutzutage - anders als früher- nur noch in sehr geringem Maße betrieben.

Der Hafen hat seine Glanzzeit also bereits hinter sich.

Dafür haben sich in Gran Tarrajal in den letzten Jahren unzählige Einzelhandelsgeschäfte und Verwaltungsbüros von Baufirmen niedergelassen. Der Trubel und das bunte Treiben, vor allem rund um die Strandpromenade, sind ein Zeichen für die wirtschaftliche Blüte der Stadt.

Kultur und Einwohner

Gran Tarrajal ist mit rund 8000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Fuerteventura. Umso erstaunlicher kommt es einem vor, dass hier von Tourismus fast nichts zu spüren ist. Hier gibt es lediglich ein kleines 2-Sterne-Hotel und ein paar Ferienwohnungen. Auch die Speisekarten in den Restaurants sind nur auf Spanisch verfasst.

Man könnte also meinen, dass Touristen in Gran Tarrajal vielleicht nicht willkommen sind. Das ist allerdings nur ein böses Gerücht. Wer sich mit dem Bus oder mit seinem Mietwagen spontan hierher begibt, wird sehr freundlich empfangen. Auch wenn Verständigungsschwierigkeiten auftreten können, wird einem sehr freundlich und offen begegnet. Man sollte sich also nicht scheuen, die Einheimischen nach dem Weg oder der ein oder anderen Empfehlung zu fragen.

Die Bewohner der Stadt sind größtenteils in den Touristenzentren der Insel tätig und haben in Gran Tarajal günstige Wohnungen gefunden. Viele Einheimische arbeiten außerdem im Bereich der Landwirtschaft oder der Fischerei.

Lage und Vegetation

Gran Tarajal liegt an der Ostküste von Fuerteventura zwischen den Landspitzen Punta de Aceituno und Morro de Gran Tarajal. Die Stadt selbst ist durch die Hauptstraße FV 4 erschlossen. Die FV 20 führt über Tuineje nach Antigua ins Hinterland.

In der näheren Umgebung befinden sich die Städte Giniginamar im Westen, Las Playas im Osten und El Charco im Norden. Bis nach Tuineje sind es 14 Kilometer.

Im Gebiet von Gran Tarajal wachsen vorwiegend Dattelpalmen. Gleich am Ortseingang findet man einen Palmenhain, der seit langer Zeit existiert und stets gut gepflegt wird. Inzwischen ist dieser in einen wunderschönen Stadtpark integriert. Auch die unzähligen Tamarisken, nach denen die Stadt damals benannt wurde (gran tarajal = große Tamariske), sind immer noch in Gran Tarajal zu finden.

Fuerteventuras Hauptstadt Puerto del Rosario ist etwa 46 Kilometer von Gran Tarajal entfernt. Von dort aus fährt man am besten die Hauptstraße FV 2 entlang bis zu einem Kreisverkehr. Dort nimmt man die dritte Ausfahrt und fährt weiter auf der FV 4.

Von Puerto Rosario fährt die Buslinie 16 vier Mal am Tag nach Gran Tarajal und zurück.


Sehenswürdigkeiten

Kirche mit Plaza

Die Kirche von Gran Tarajal "Iglesia de Nuestra Señora de Candelaria” liegt im Zentrum der Stadt. Sie wurde mithilfe des Kapitals von Matías López erbaut und im Jahre 1900 eingeweiht. Das Gebäude ist groß und außen stilvoll in den Farben weiß und gelb gestrichen.

Besonders sehenswert ist auch der Platz rund um die Kirche – die Plaza de la Candelaria. Die großzügige Fläche wurde früher als Veranstaltungsort für die Fiestas genutzt, die in Gran Tarajal gefeiert werden. Der neue Festplatz liegt nun direkt neben dem Stadtpark am Ortseingang.

Der hübsche Seepferdchen-Springbrunnen und die Palmen machen die Plaza de Candelaria zu einer Oase mitten in Gran Tarajal. Rund um den Platz befinden sich zahlreiche Cafés, Bars und Geschäfte, in denen sich das bunte Treiben der Stadt abspielt. Wer das authentische Flair Gran Tarajals spüren möchte, sollte sich also einen Besuch der Plaza de Candelaria nicht entgehen lassen.

Hafen

Wenn man in die Straße Calle de Matías López einbiegt, sieht man schon die großen Hafenmole des einstigen “Tomatenhafens”. Heute ankern hier nur mehr einige Fischerboote. Die große Bedeutung, die dieser Hafen früher für die ganze Region hatte, traut man ihm, wenn man ihn heute sieht, fast nicht zu. Direkt am Hafen gibt es ein kleines uriges Café, wo fast nur Fischer einkehren. Wenn man nach rechts geht, kommt man zur neuen Hafenanlage. Hier liegen die Jachten und privaten Boote der Einwohner. Außerdem hat man die Möglichkeit zu fischen und Wassersport zu treiben. Ein besonderes Highlight ist der international anerkannte Tiefsee-Angelwettbewerb, der jedes Jahr im September stattfindet. Man sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen, um einen entspannten Spaziergang entlang der Hafenpromenade zu unternehmen.


Strände

Gran Tarajal hat einen 1 km langen und 150 m breiten dunklen Sandstrand. Die Einwohner der Stadt sind stolz auf ihren Strand und achten deshalb sehr auf seine Sauberkeit und Pflege. Jeden Abend wird der Sand gründlich gereinigt. Außerdem wird hier auf Sicherheit sehr viel Wert gelegt, denn der Strand wird regelmäßig bewacht. Die Mühe der Einheimischen zahlte sich bereits aus – im Jahr 2000 wurde dem Strand in Gran Tarajal von der Europäischen Union die "Blaue Flagge" verliehen- eine Auszeichnung für besonders gute Wasserqualität und gepflegte Strände. Hier muss man nicht nur faul in der Sonne liegen. Man kann sich am Fußball- und/oder Volleyballplatz sportlich betätigen oder bei einem kleinen Plausch in einem der zahlreichen Cafés sitzen. Der Strand und die Strandpromenade “Avenida Paco Hierro” gelten als das kommunikative Zentrum der Stadt. Touristen sieht man zwar bislang eher wenige, aber die Einheimischen bummeln sehr gern hier entlang. Spätestens nach der Arbeit trifft man sich mit Freunden und Bekannten auf ein Bier in einer der Bars oder man genießt das Essen in einem der zahlreichen Restaurants.


Feste

Auch wenn das Nachtleben in Gran Tarajal nicht allzu viel zu bieten hat, kann man nicht sagen, dass die Einwohner nicht gern feiern – im Gegenteil. Die meisten Feste dauern mindestens eine Woche und bieten von Jahrmarktsatmosphäre mit Karussellen bis hin zu Umzügen und Folklore, alles was das Herz begehrt. Der neue Festplatz direkt am Ortseingang neben dem Palmenpark bietet jede Menge Platz für ausgelassene Stimmung und Tänze bis in die Morgenstunden. Die meisten Feste finden in den Monaten Februar, März, sowie September und November statt. Besonders erwähnenswert sind dabei die Feierlichkeiten rund um den Karneval. Diese finden vom 28. Februar bis zum 10. März statt. Den großen Umzug kann man sich am 09. März anschauen. Das Jugendvolksfest wird in der Zeit vom 17. August bis zum 01. September zelebriert. Ein religiöses Fest ist die Fiesta de San Diego de Alcala. Dieses wird zu Ehren eines Franziskanermönches ab dem 13. November gefeiert.


Restaurant

Da die Fischerei immer noch eine der Haupteinnahmequellen ist, gilt Gran Tarajal als Geheimtipp, wenn man Fisch und Meeresfrüchte essen möchte. Die Einheimischen suchen sehr gern die zahlreichen Restaurants auf, die frische Fischspezialitäten anbieten. Besonders rund um die Plaza de Candelaria und entlang der Strandpromenade sind viele Lokale mit ausgezeichneter Küche zu finden.


Nachtleben

Wer in Discos und Clubs feiern gehen möchte, sollte sich in die Touristenorte im Süden von Fuerteventura begeben. Die einzige Disco, die die Jugendlichen von Gran Tarajal am Wochenende besuchen, ist die Bar „Roma“. Sie liegt direkt hinter dem Ende der Strandpromenade.


Einkaufen

Wenn man am Beginn der Strandpromenade an einem kleinen Park mit Kinderspielplatz vorbei kommt, trifft man auf eine Häuserzeile, die die Straße von der Strandpromenade trennt. Hier fällt einem ein großes rosafarbenes Haus besonders auf. Es handelt sich um das Kaufhaus „Cabrera“, welches das zweitgrößte Fuerteventuras ist. Das Angebot hier ist groß und sehr vielseitig. Ob Kleidung, Geschenke und Drogerieprodukte, bis hin zu Lebensmitteln findet man hier alles was man braucht. Der größte Supermarkt im Süden Fuerteventura heißt „Padilla“ und befindet sich ebenfalls in Gran Tarajal – in der Calle Tindaya. Selbst wer Modeboutiquen und Juweliere sucht, ist in Gran Tarajal gut aufgehoben. In den letzten Jahren hat sich die Stadt zu einem wahren Einkaufsparadies entwickelt. Das Beste daran ist, dass sich die Preise hier an den Einheimischen orientieren und somit deutlich niedriger sind als in den Touristenregionen.