Natur in El Hierro

El Hierro ist die kleinste und westlichste Insel der Kanaren. Viele Teile der Insel sind von Geröll und Schutt bedeckt. Das liegt in erster Linie an den noch jungen Lavafeldern, die sehr unfruchtbar sind. Trotzdem haben sich einige ganz besondere Arten dort einen Lebensraum geschaffen: Als lebende Fossilien bezeichnet man zum Beispiel Farne und den auf El Hierro heimischen Kanarischen Drachenbaum. Versteinerte Funde belegen, dass diese Pflanzen schon vor einer Million Jahren im Mittelmeerraum gelebt haben. Heute sind sie dort ausgestorben.

Obwohl die Insel mit knapp 270 km² sehr klein ist, gibt es verschiedene Klimazonen. Diese kommen durch die verschiedenen Höhenlagen zustande: Bis etwa 400 Meter herrschen trockene Küstengebiete vor, darüber beginnt eine halbfeuchte Zone und ab etwa 800 Metern eine nebelfeuchte Zone.

Im trockenen Küstengebiet gibt es kaum mehr Wasser als den nächtlichen Tau. Dort leben daher vor allem Sukkulenten, das sind Pflanzen, die besondere Mechanismen entwickelt haben, um Wasser zu speichern. Die Kanarische Wolfsmilch zählt mit ihrem fleischigen, kakteenartigen Wuchs zu diesen Überlebenskünstlern. Dichte Büsche am Boden bildet im Trockenbereich auch der Kanarische Beifuß. Ihn bemerkt man oft schon durch den würzigen Duft, den er verströmt. Direkt am Meer wachsen vor allem der Strandflieder mit seinen kleinen violetten Blüten und das Eiskraut. Das Eiskraut blüht weiß und hat seinen Namen von den kleinen Perlchen, die seine Blätter und Stängel überziehen und glänzen als wären sie gefroren. Das Kraut kann man als schmackhafte Salatbeilage verwenden.

In der halbfeuchten Zone wird die Vegetation noch interessanter: Dort findet man die Gänsedistel mit ihrem dicken, gelben Blütenstand und Bergminze, die ähnlich angenehm duftet wie Thymian. Sehr beliebt als Fotokulisse sind auch die kanarischen Natternkopfarten. Die hohen, verholzten Stängel tragen dicke, blau-violette, fliederartige Blüten. Weitere typische Vertreter der kanarischen Inseln: Der Kanarische Drachenbaum, die Kanarische Dattelpalme und der Kanaren-Wacholder.

In der Nebelwaldzone kommen dann auch Lorbeerbäume vor. Die Pflanzen bildeten früher ganze Wälder auf El Hierro, mittlerweile findet man sie aber nur noch vereinzelt neben Kanaren-Kiefern, Baumheide und Gagelstrauch. Dem Wurzelnden Kletterfarn wachsen in der nebelfeuchten Zone sogar Blätter von bis zu drei Metern Länge. Ganz selten kann man auch noch einen der bis zu 40 Metern hohen Eukalyptusbäume sehen. Sie stammen aus Australien und sind schädlich für andere Pflanzen, weil sie dem Boden verhältnismäßig viel Wasser entziehen. Ihre Verbreitung wurde daher eingedämmt.

Tierfreunde werden auf El Hierro am häufigsten Gekos und Kleine Kanareneidechsen vorbeihuschen sehen. Wegen den schlechten Gegebenheiten und weil die Insel vom Festland abgeschottet ist, haben sich keine Säugetiere außer Fledermäuse auf El Hierro ansiedeln können. Reptilien, Vögel und Insekten teilen sich daher ihr Biotop. So findet man zum Beispiel auch den Kanarengirlitz auf der Insel, den wilden Bruder des als Haustier weit verbreiteten Kanarienvogels. Das Männchen hat eine gelbgrüne Färbung. Die Art kommt fast nur auf den Kanaren vor. Genauso verhält es sich mit dem Kanarenpieper. Der Herrenische Buchfink und die Herrenische Blaumeise kommen sogar nur auf El Hierro vor. Auch einige Seeadler haben auf der Insel ihren Lebensraum gefunden.

Vor der Küste leben sogar Meeresschildkröten, die man auf Bootstouren sehen kann. Sie sind die größten Tiere des Kanaren-Archipels.