Kultur & Geschichte - El Hierro

Im zweiten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung erfuhr die Insel große Aufmerksamkeit, so ordnete Claudius Ptolemäus die Westseite der Insel zum Nullmeridian hinzu, dem Ende der damals bekannten Welt. Bis 1883, als er ins englische Greenwich verlegt wurde, galt dieser Punkt als Nullmeridian.

Wie auf den anderen kanarischen Inseln ebenfalls lebten die Ureinwohner auf El Hierro bis zur Ankunft der Spanier sehr steinzeitlich, da sie wichtige Rohstoffe wie Eisen nicht besaßen. Im Spanischen heißt El Hierro zwar das Eisen, jedoch kann der Namensursprung, der bis heute nicht ganz geklärt ist, nicht auf das Vorhandensein von Eisen zurückgeführt werden.

Die Bimbachen, so werden die ursprünglichen Guanchen auf dieser Insel genannt, hinterließen ihrer Nachwelt eindrucksvolle Petroglyphen, Zeichnungen in Steinhöhlen. Leider fällt es den Wissenschaftlern und Archäologen bis heute schwer, diese eindeutig zu bestimmen oder gar zu lesen.

An der Südküste der Insel sind Überreste jener Petroglyphen zu finden, so im Ort Los Letreros. Nicht nur die Felszeichnungen lassen sich dort entdecken sondern auch Überreste eines Versammlungsplatzes, der Bimbachen.

Auch hier wird davon ausgegangen, dass die Bimbachen nordwestafrikanischen Ursprungs sind, durch übergesiedelte Berberstämme.

1405 wurde die Insel von Jean de Béthencourt, ein Normanne im Auftrag der kastilischen Krone, erobert. Er kam im Süden der Insel, in La Bahía de Naos an.

Während dieser Zeit leisteten die Bimbachen kaum Widerstand, die Eroberer stellten sich als Verbündete vor, die Bimbachen vertrauten ihnen und wurden schnell enttäuscht: versklavt, misshandelt und verkauft. Die Kultur der Ureinwohner verflüchtigte sich somit in kürzester Zeit und es sind kaum Überreste vorhanden. Doch im Gegensatz der anderen Inseln kann man auf El Hierro deren in Stein geritzte Malereien bewundern.

Im Jahr 1493 machte Christopher Kolumbus auf der kleinen Insel für ganze 19 Tage Halt, bevor er weiter westlich wieder aufbrach.

Mit 17 Schiffen soll er hier mit seiner Crew auf den passenden Wind gewartet, Nahrungsmittel und Wasser aufgetankt haben, bis am 3. Oktober 1493 ein starker Passatwind aufkam und er seine legendäre zweite Reise fortsetzen konnte von Bahía de Naos aus.

Wirtschaftlich ging es auf dem Eiland ähnlich wie auf seinen Schwesterinseln zu.

Zuckerrohr, Wein und Farbmittel aus der Schildlaus und der Ochilla- Flechte wurden angebaut und exportiert, was eine Zeit lang Wohlstand garantierte, jedoch nach deren Verdrängung auf dem Markt von anderen Herstellern, wirtschaftlich sehr stark einbrach.

Im 19. Jahrhundert wurde die Abgeschiedenheit der Insel zum Vorteil des spanischen Festlands genutzt, so wurden hier aufsässige Politiker, Militärs oder unbequeme Andersdenker verbannt. Oft wurden sie sogar von der Insel herzlich empfangen, doch Madrid freute sich, sich dieser Personen entledigt zu haben.

Ab dem 20. Jahrhundert etablierte sich ein besonders ruhiger und sehr an der Ursprünglichkeit der Insel orientierter Tourismus, der auch weiterhin so erhalten bleiben wird.