Die Insel El Hierro

Übersicht

Die Insel El Hierro ist die westlichste und mit einer Fläche von 268.71 qm die kleinste der sieben Kanarischen Inseln. Sie liegt 11458 km vom spanischen Festland entfernt im Atlantik.

Die Insel hat 10960 Einwohner (Stand 01.01.2010, Quelle: Instituto Nacional de Estadística) und somit eine Bevölkerungsdichte von 42 Einwohner pro qm. Die Inselbewohner, die Herreños, sind sehr um ihre Identität, Kultur und Tradition bemüht.

Die Insel El Hierro gehört zur Verwaltung der spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife und somit seit 1986 zur EU. El Hierro besitzt einen eigenen Inselrat, den Cabildo Insular und ihre Hauptstadt ist Valverde. Im Jahr 2000 wurde die Insel El Hierro von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt.

Geschichte und Gründung

Schon in der Antike gibt es viele Mythen und Legenden zu den Kanarischen Inseln. z.B. galten sie in der Antike als das westlichste Ende der Welt; Homer gab Hinweise auf die Inseln in der Odysee und sie waren die Gärten der Hesperiden in denen Herkules den goldenen Apfel des ewigen Lebens stahl und somit die Bewohner ihre Unsterblichkeit verloren.

Claudius Ptolemäus legte im Jahr 150 hier den ehemaligen Weltmeridian fest, der dann 1884 von Greenwich abgelöst wurde. Viele Navegations- und Landkarten vom  16. – 19. Jahrhundert richteten sich nach dem Meridian von Ferro (falsch übersetzt von Hierro ins Italienische und Portugiesische)

Der Name Hierro hat nichts mit dem spanischen Namen Eisen zu tun, wie man vermuten könnte. Eisen kommt auf der Insel nicht vor.  Oft wird er mit dem Namen Hero oder Hiro, gleich Brunnen, in Verbindung gebracht, weil  es auf der Insel El Hierro Brunnen gibt, aber keine Quellen.

1341 landeten vom spanischen König Alfonso ausgesandte Seeleute auf El Hierro und berichteten dem König von dem milden Klima und der großen Fruchtbarkeit auf der Insel El Hierro.

Christoph Kolumbus machte auf seiner zweiten Reise neben auf La Gomera auch Station auf El Hierro um Nahrungsmittel und frisches Wasser aufzunehmen und auf günstige Winde für seine Flotte zu warten. Am 03.01.1496 segelte er dann mit einem kräftigen Passatwind weiter in die Neue Welt.

Wann und woher die ersten Siedler kamen, ist unklar. Sie waren groß und kräftig. Kamen sie vielleicht mit Booten aus Nordwestafrika? Sprachwissenschaftler vertreten diese These, da es Ähnlichkeiten mit den Berbersprachen gibt.

Die Besiedlung fand erst nach dem 5. Jahrhundert v.Chr. statt. Die Eroberer der Neuzeit trafen hier auf eine völlig intakte Steinzeitkultur. Funde in zahlreichen Höhlen weisen auf die frühe Besiedlung hin. Darauf verweisen auch Steinkreise die als Rats- und Versammlungsplätze gelten. Die Bewohner wurden Bimbaches genannt. Wegen der Steilküste waren die Verbindungen zu den Nachbarinseln spärlich.

Eroberung durch die Spanier:

1405 landete im Auftrag von König Enrique III der Eroberer Jean de Bethencourt auf der Insel El Hierro. Er traf auf die friedliche Herrschaft des Bimbachen Königs Armiche. Durch eine List überredete er den König, ein Bündnis mit ihm abzuschließen. Als dieser mit seinen Getreuen zum Strand von Naos kam, ließ Benthencourt statt sich zu verbünden, sofort alle gefangen nehmen, um sie in Ketten zu legen. So endete das friedliche Leben der Ureinwohner in Sklaverei.

Unter den neuen Siedlern die mitgekommen waren, ging die steinzeitliche Kultur der Ureinwohner schnell verloren. Die überlebenden Bimbaches mussten sich taufen lassen und viele Frauen wurden mit den neuen Herrschern verheiratet. Innerhalb weniger Jahrzehnte waren die Völker vermischt.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde Valverde zum Hauptort der Insel El Hierro. Im 19. Jahrhundert verbannte Madrid viele unbequeme Politiker, Freigeister und Militärs auf diese Insel. Dr. Leandro Pérez war einer von ihnen und wurde der erste Arzt auf der Insel, von der Bevölkerung hoch geachtet.   Die Abgeschiedenheit der Insel El Hierro prägt bis heute das Leben. So ist die Atmosphäre sehr gemütlich und entspannt auf El Hierro.

Neuzeit:

Seit 1912 durfte sich die Insel durch das Cabildo Insular selbst verwalten. Während der zweiten Republik von 1931 – 1936 führte man viele neue Projekte durch. So wurde der Hafen ausgebaut, Straßen neu angelegt, die Schulen vergrößert und die Wasserversorgung verbessert. Den 2. Weltkrieg bekam El Hierro im Gegensatz zu den anderen Kanarischen Inseln kaum zu spüren. Allerdings führten Dürre- Hungersjahre und auch politische Krisen zu Auswanderungswellen, zuletzt 1948. Noch 1949/50 begaben sich kaum taugliche Segelschiffe auf die Atlantiküberquerung. Einwanderungsländer waren vorwiegend Venzuela, Cuba, Puerto Rico.

Aktuell kämpfen die Inselbewohner gegen den Aufbau einer Raketenbasis und einer militärischen Radaranlage. Es gab Pläne eine Raketenbasis auf der Insel El Hierro  zu errichten. Es heisst die europäische Weltraumbehörde ESA plante zwei Forschungssatelliten pro Jahr ins Weltall zu schicken, es wird jedoch auch von bis zu 15 Starts gesprochen.

Dies rief massive Proteste der Bevölkerung hervor. Die Bewohner wollten die einzigartige  Natur und Umwelt schützen. Im Februar 1997 lehnte ein eigens eingerichteter Ausschuss des kanarischen Parlament mit großer Mehrheit seiner Mitglieder das gesamte Projekt ab.

Über die geplante Einrichtung einer militärischen Radaranlage auf dem Gipfel des Malpaso ist bis heute noch nicht entschieden. Ausschlaggebend dafür ist die geografische Lage der Insel El Hierro.  Seit das Verteidigungsministerium 1986 erstmals diese Pläne der Gemeindeverwaltung von Frontera vorlegte gibt es heftige Proteste der Bevölkerung. Unterstützung erhalten die Hereños von den Bewohnern andere Kanarischer Inseln.

Landschaftsform

Landwirtschaftlich gibt es auf der Insel große Gegensätze. Einerseits besteht die Küstenlinie zu ca. 90% aus steilen Klippen und hat hohe Erhebungen bis zu 1.500 m über dem Meeresspiegel, andererseits gibt es hier ein sanft hügliges Hochland, das sehr fruchtbar ist und landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Die Cumbre, die bewaldete Gipfelregion vieler aneinandergereihter Vulkanberge zieht sich quer über die Insel. An die 1000 Vulkankrater zählt man auf der Insel El Hierro. Flaches Küstengebiet gibt es nur im Golfotal.

Die landschaftliche Vielfalt zeigt sich z.B. in der kargen Lavawüste einerseits und andrerseits  in den Obsthainen, den Bananen- und Ananasplantagen, sowie den ausgedehnten Kiefernwäldern und grünen Weideflächen. Es gibt viele Vulkanhöhlen. Die größte von ihnen, die Cueva de Don Justo liegt im Süden der Insel und besteht aus einem weit verzweigten System von Lavatunneln. Die Bimbaches bewohnten einige dieser Höhlen oder nutzten sie als Grabstätten. Es gibt keine grösseren Bäche auf der Insel, nur das Wasser der Niederschläge rinnt an einigen Stellen aus den Felsen. Von dem einst ausgedehnten Wachholderwald beugen sich nur noch wenige alte Sabinas dem Wind. Heute sind sie das Wahrzeichen der Insel El Hierro.

Das Klima

Das Klima ist geprägt vom Passawind und dem Kanarenstrom, einem kühlen Nebenarm des Golfstroms. Im Sommer liegt die Temperatur im Durchschnitt an der Nordküste etwas bei 28ºC im Süden bei 30ºC, im Winter etwa bei 20ºC bzw. bei 20,5ºC
Dagegen erreichen die Temperaturen im höher gelegenen Valverde nur etwa 11,5ºC.
An Niederschlägen fallen dort im Winter ca. 80mm pro Monat im Sommer ca. 5mm, während es im Süden im Winter etwa 25mm sind und dort im Sommer meist keine Niederschläge fallen.

Vegetation und Tierwelt

Es gibt in der Pflanzenwelt El Hierros eine große Artenvielfalt und zudem noch 11 bekannte endemische Pflanzen, die nur hier vorkommen. Es handelt sich um Disteln, Natterkopf und Flechten, die meist in Felsspalten wachsen. Für das Vorkommen der verschiedenen Pflanzenarten ist die Höhenlage entscheidend.

An den trockenen Küstenabschnitten gedeihen vorwiegend die wasserspeichenden Arten der Sukulelen, die zu den Wolfsmilchgewächsen gehören.

Häufig anzutreffen ist auch der Mondampferstrauch, der besonders den Ziegen gut schmeckt, ebenso der kanarische Beifuß.

In der salzigen Meeresluft wachsen der kammförmige Strandflieder und die Sodapflanze, die man auch als Mittagsblume kennt. Sie wandelt das Salz aus der Luft in Soda um und wurde daher  früher zur Herstellung von Seife exportiert.

In der halbfeuchten Zone, beginnend etwa bei 200 bis 400 m ü. M. wachsen neben Dickblattgewächsen auch Agaven und Kakteen, sowie Gänsedisteln, Bergminze und blau blühender Natternkopf, ebenso die aus Mexiko mitgebrachten Opuntien, sowie der Drachenbaum und die kanarische Dattelpalme. Auch wächst hier das Wahrzeichen der Insel El Hierros, der mehrere Jahrhunderte alte bizarr geformte Kanaren Wacholder, als Rest des alten Sabina-Waldes.

In der Nebelfeuchten Zone 800m-150m ü.M. wächst der Monteverde, der immergrüne Feuchtwald zusammen mit Lorbeergewächsen wie der Stinklorbeere, Ölblumengewächsen wie der Piconie und dem kanarischen Erdbeerbaum. Früher bildeten diese Baumarten ganze Wälder. Hin und wieder sieht man noch den bis zu 25 m hohen Zedern-Wacholder. Überwiegend jedoch besteht der Nebelwald auf der Insel El Hierro aus Baumheide. Auch unterschiedliche Farne sind hier anzutreffen. Außerdem findet man Johanniskraut, Zwergginster und den aus Australien stammenden Eukalyptusbaum. Der Garoé (árbol santo) ein Stinklorbeer befindet sich im Inneren der Insel. Er ist der heilige Baum der Ureinwohner und wurde als Wasserspender verehrt und genutzt. Er ist in das Wappen der Insel El Hierro aufgenommen worden.

Tierwelt

Häufig anzutreffen sind auf der Insel El Hierro verschieden Exenarten, wie die endemischen Geckos, Lagartos und auch der Westkanarenskink. Schlangen gibt es jedoch keine.

Auf El Hierro ist seit Urzeiten eine große Echsenart der Lagarto Gigante (bis zu 75 cm lang) heimisch. Er hatte keine Feinde bis auf den Menschen, der ihn jagte und verspeiste. Ende des 19. Jahrhunderts galten sie als ausgestorben, bis in den 70ger Jahren des 20. Jahrhunderts ein Ziegenhirte einige Exemplare großer Echsen in einer Steilwand entdeckte. Es war jedoch nicht der Lagarto Gigante sondern eine Unterart. Diese steht und seit 1975 unter Artenschutz. Im Lagartorio, in dem eingesammelte Eier in einem Brutkasten ausgebrütet werden, sind auch einige Exemplare au sehen.

Es gibt ca. 5000 verschiedene Insektenarten auf El Hierro. Zudem weist die Insel eine vielfältige und artenreiche Vogelwelt auf, darunter zwei endemische Arten, die Herrenische Blaumeise und den Herrenischen Buchfineken. Außerdem findet man bedrohte Arten wie z.B. den Fischadler.