Pico

Übersicht

 

Die Insel Pico ist mit rund 450 Quadratkilometern Größe die zweitgrößte Insel der Azoren. Vom Tourismus ist sie aber bisher weitgehend verschont. Dabei lockt Pico mit beeindruckender Natur an Land und zu Meer, und einer traditionsreichen Lebensart, die Besucher auf der Azoreninsel noch selbst erleben können. Ob eine Besteigung des Vulkanbergs Pico, eine Walbeobachtungstour entlang der Küsten der Insel oder ein Besuch in einem der traditionellen Weinkeller, für Abwechslung ist auf Pico gesorgt.


Berg Pico

Mit 2351 Metern Höhe ist der Pico der größte Berg Portugals und gleichzeitig die dritthöchste Erhebung im Atlantik. Wie die Küsten der Insel ist auch der Vulkan sehr steil und teils zerklüftet. Im Winter ist die Spitze mit einer Schneeschicht bedeckt, was ihm ein majestätisches Aussehen verleiht. Ist die Spitze von Wolken umgeben, steht ein Wetterwechsel an.

Ein besonderes Erlebnis ist eine Besteigung dieses Giganten der Vulkane. Es erfordert eine gute Ausdauer und Muskelkraft, die Spitze zu erklimmen und ist für unerfahrene Bergsteiger eher nicht geeignet. Wenn man den Berg erklimmen möchte, sollte man an regenfeste Kleidung denken und nicht ohne Bergführer oder ein GPS loslegen. Ein GPS kann gegen eine geringe Gebühr ausgeliehen werden. Touren sollten entweder früh am Morgen oder gegen Nachmittag begonnen werden, wobei dann eine Übernachtung im Zelt nötig ist. Wer keine Erfahrungen im Klettern und Bergsteigen hat, sollte die Schönheit des Berges und der Insel lieber vom Fuße aus bewundern.
Hat man den Gipfel des Picos einmal erreicht, bietet sich einem ein Ausblick über die gesamte Insel. An klaren Tagen kann man bis zu den Nachbarinseln Fajal und São Jorge schauen, seltener sogar bis nach Terceira.

Der Vulkan ist noch immer aktiv, was an den austretenden Schwefeldämpfen aus den Fumarolen am Gipfel zu erkennen ist. Deshalb steht er unter wissenschaftlicher Beobachtung. In den vergangenen 500 Jahren brach er insgesamt vier Mal aus und stellt dadurch noch immer eine Bedrohung für die Inselbewohner dar.


Vulkanhöhlen

Eine weitere Attraktion im Gebiet rund um den Pico sind die Vulkanhöhlen. Diese befinden sich an den Hängen des Berges und sind beeindruckende Lavaformationen, die einen Besuch wert sind. Teilweise reichen diese bis tief in den Berg hinein. So ist es nicht verwunderlich, dass sich auch die längste Vulkanröhre der Azoren auf der Insel Pico befindet. Die Gruta das Torres bei Criacao Velha ist mittlerweile zumindest teilweise für Touristen begehbar. Dieser Lavatunnel ist mit etwa 5150 Metern Länge der längste der Azoren. Nur ein kleiner Teil der Höhle -etwa 450 Meter- sind seit einigen Jahren für Besucher zugänglich. Die maximale Höhe im Tunnel beträgt 15 Meter. Allgemein gelten die Höhlen eher als gefährlich und es wird dem Besucher geraten, sich nur mit einer geführten Tour in die Höhlen zu begeben.


Wale

Bis 1987 betrieben die Inselbewohner auf kleinen Booten mit bis zu 20 Ruderern Walfang. Seit 1985 entwickelte sich auf Pico ein ausgedehntes Gewerbe für sanfte Walbeobachtung. Heute gilt Pico als eines der bedeutendsten Zentren Europas für Walbeobachter. Über 20 verschiedene Walarten kann man im Atlantik vor Pico beobachten. Dies liegt daran, dass die Bedingungen für Wale dort besonders günstig sind. Dazu trägt das bis zu 3.000 Meter tiefe, saubere Wasser und die Fülle an Nahrung für die Tiere bei. Nur selten kommen Beobachter so nah an die Wale ran, wie im Gebiet vor der Azoreninsel Pico. Deshalb kommen Wissenschaftler, Fotografen und auch Touristen in Strömen nach Pico, um die Tiere so intensiv zu erleben.

Die Bootstouren starten von Lajes und Madalena aus, wobei man sich in Madalena auf Ausfahrten spezialisiert hat, bei denen man mit wildlebenden Delphinen schnorcheln kann.

Was noch immer an den ehemaligen Hauptwirtschaftszweig der Insel erinnert, sind die beiden Walfangmuseen. Diese befinden sich in Lajes do Pico und in einer restaurierten 'Walfabrik' in São Roque.


Weinanbau

Der Wein, der auf Pico angebaut und verarbeitet wird, ist zu meist rot und schwer. Durch die vulkanische Erde hat der Wein der Azoreninsel ein ganz besonderes Aroma, welches ihn im 19. Jahrhundert zu einer Bekanntheit brachte, die bis nach Russland reichte. Der Wein wurde sogar an den Zarenhof in Sankt Petersburg exportiert.

Bis heute wird in zahllosen kleinen Adegas (Weinkellern) der rote Wein hergestellt. Die berühmten Weingärten sind von kleinen Mauern aus zusammengesuchten Lavasteinen umrandet. Diese schützen nicht nur vor Wind, sondern speichern auch noch die Wärme, die für das Reifen der Trauben wichtig ist. Das Weinbaugebiet auf der Insel Pico wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Seit Jahrhunderten bauen die Winzer in mühevoller Handarbeit die Trauben für ihren berühmten Verdelho an. Maschinen können auf den meist sehr kleinen Anbauflächen auch heute noch nicht benutzt werden. Daneben produzieren die Bewohner Picos auch den Schnapps Aguardente. Dieser ist aus Feigen, Pflaumen oder Brombeeren hergestellt. Von den vielen über die Insel verstreuten Destillen kann man heute noch zwei ansehen. Eine ist im Weinbaumuseum zu betrachten, die andere in Lajido. Das Weinbaugebiet befindet sich hauptsächlich im Norden der Insel und zieht sich entlang des Flughafens bis hinunter nach Calhau.

Ein Besuch einer solchen Anbaufläche kann sehr interessant sein. Man kann zumeist die Herrenhäuser bestaunen, in denen die Winzer lebten und arbeiteten, als auch die urtümlichen Weinpressen und Weinkeller. Allein der Anblick der Felder, die sich perfekt in die restliche, ursprüngliche Natur einfügen, ist beeindruckend schön.

Nahe der Hauptstadt Madalena befindet sich das einzige Weinbaumuseum der Insel, das Museu dos Vinhos do Pico. Das Museum ist in einem ehemaligen Karmeliterkloster untergebracht.

 

Kultur und Geschichte

Die zweitgrößte Insel der Azoren ist die Insel Pico. Diese wurde ab 1460 besiedelt.
Die rund 15.000 Bewohner Picos können aufgrund des Vulkanmassivs nur am Rand der Insel leben. Dementsprechend befinden sich dort auch die landwirtschaftlich genutzten Gebiete. Hauptstadt der Azoreninsel ist Madalena. Allerdings ist der Ort eher ein größeres Dorf und auch der Tourismus ist bisher nur schwach ausgeprägt. Zwei weitere wichtige Orte der Insel sind Lajes und São Roque, welches vor allem von kultureller Bedeutung für die Insel ist. Entlang der Küste findet man daneben vereinzelte Orte vor. Diese bestechen durch ihren reizenden Charme, der ihnen zum Beispiel ihre kleinen Häfen und die noch immer bewahrten Traditionen verleihen.
Im Landesinneren gibt es kaum Siedlungen. Die meisten Ortschaften entwickelten sich an den Küstenstraßen, wobei der Osten der Insel noch dünner besiedelt ist als der Norden und Westen, wo der Weinbau die Menschen am Leben hält.

Die ersten Siedler mussten zuerst die Lavabrocken beiseite schaffen, bevor sie anfangen konnten, Obst und Wein anzubauen. Da die Humusschicht auf dem Lavagestein nur dünn ist, gestaltet sich die Landwirtschaft auch heute noch sehr arbeitsintensiv.
Anfangs wurden Weizen und Wein angebaut, später dann auch Orangen. Vulkanausbrüche führten dazu, dass die Felder verwüstet wurden und Mehltau und Rebläuse im 18. Jahrhundert die Orangenplantagen und Weinreben zerstörten. Seitdem stützt sich die Landwirtschaft der Insel auf resistentere Rebsorten und den Fischfang.

Richtigen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Insel im 19. Jahrhundert aufgrund des Walfangs. Die Wale wurde auf Pico noch bis zur Durchsetzung des Walfangverbots 1986 erlegt. Heute kann man die Tiere auf Walsafaris beobachten oder sich im Walmuseum Museo das Baleiros über den ehemaligen Walfang informieren.
Die Fischerei wurde auf den Fang von Thunfisch umgestellt und wird auch heute noch professionell betrieben.

 

Natur

Die Insel Pico ist definiert vom 2351 Meter hohen Vulkangipfel Pico. Die gesamte Insel besteht aus einer Oberfläche aus Lavagestein und die Humusschicht ist nur relativ dünn. Trotzdem ist die Insel ziemlich grün und hat eine vielseitige Pflanzenwelt.

Das Hochplateau Planalto da Achada liegt auf rund 1000 Metern Höhe etwa in der Mitte der Insel. Es ist von allen Richtungen aus auf kleinen Straßen zu erreichen. Die Fläche ist geprägt von dutzenden, aneinander liegenden Vulkankegeln. Diese sind umgeben von einer Mischung aus Wiesen, Weiden, Wäldchen, kleineren Seen und Tümpeln, was dem Gebiet einen märchenhaften und romantischen Hauch verleiht. Auf dem Hochplateau wachsen außerdem viele verschiedene endemische Pflanzen, die eine Besonderheit der Natur Picos ausmachen. Ein 1500 Hektar großer Teil dieser Fläche ist geschützte Zone, da die dortige Natur in ihrem ursprünglichem Zustand erhalten werden soll.
Das Hochland ist durch seinen Abwechslungsreichtum an Pflanzen interessant für Naturliebhaber und gleichzeitig durch die ebene Beschaffenheit ideal zum Wandern. Wirtschaftlich nutzbar ist es aufgrund des geschützten Lorbeerwaldes allerdings kaum.

Weiter in Richtung Küste, in der Nähe der Ortschaften, wurde ein großer Teil der ursprünglichen Natur gerodet, um Platz für Grasland, Weiden und Anbauflächen zu schaffen. Besonders im Norden und Westen der Insel dominiert der Weinbau. Schon von Weitem sind die Parzellen zu erkennen, in denen die Reben angebaut werden. Das Weinbaugebiet Picos ist mittlerweile von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Die schwarzen, wulstigen Lavazungen, die ins Meer ragen, sind inzwischen ebenfalls landwirtschaftlich genutzt. Allerdings nimmt die Landwirtschaft keine Überhand, da sie fast ausschließlich zur Selbstversorgung der Bauern dient. Deshalb sind die Landzungen nicht komplett bewachsen und man kann noch immer die schwarzen Lavaformationen erkennen.

 

Orte

Pico ist nur über Umsteigen zu erreichen, was es Touristen erschwert, die Insel zu besuchen. Daher hat die zweitgrößte Insel der Azoren weniger Besucher, als andere Urlaubsziele. Dies ist auch Grund dafür, dass sich auf Pico Ursprünglichkeit und Originalität besonders gut erhalten haben. Besucher erleben ein Gefühl vergangener Zeiten zum Beispiel durch die warme Gastfreundschaft der Bewohner Picos.

Die Hauptstadt Picos ist Madalena. Selbst dieser Ort ist kaum mehr als ein größeres Dorf mit nur langsam und sachte aufkommendem Tourismus. Trotzdem gilt Madalena als einer der wichtigsten Orte der Insel. Von dortaus kann man mit der Fähre hinüber auf die Nachbarinsel Fajal.
Neben Madalena gibt es zwei weitere wichtige Städte: Lajes und São Roque. Lajes hat das älteste Stadtrecht der Insel und São Roque gilt als kulturelles Zentrum der Insel. In diesen beiden Orten befinden sich außerdem die berühmten Walmuseen der Insel.
Ansonsten findet man rund um die Insel in Küstennähe viele weitere kleine Ortschaften mit eigenem Hafen oder anderweitigem Meereszugang.